Die Rahmenbedingungen für Wealth Manager in Europa haben sich in den vergangenen Jahren spürbar verändert. Vermögensverwaltung wird zum einen anspruchsvoller, zum anderen expandieren Vermögensverwalter zunehmend in europäische Nachbarländer, um neue Kundensegmente zu erschliessen. Nach Einschätzung des Beratungsunternehmens EY können Wealth Manager, die ihre Präsenz ausbauen und gezielt Partnerschaften eingehen, ihre Wettbewerbsposition in einem zunehmend anspruchsvollen Marktumfeld stärken.[1] Für Anbieter, die in Deutschland oder der Schweiz tätig sind und ein Office in einem der beiden Märkte in Erwägung ziehen, lohnt sich der genaue Blick auf nationale Besonderheiten. In der Praxis agieren viele Wealth Manager und Family Offices heute nicht mehr ausschliesslich in einzelnen Märkten, sondern über mehrere Standorte hinweg – etwa in Deutschland, der Schweiz, Luxemburg, Grossbritannien oder im Nahen Osten. Der Vergleich zwischen der Schweiz und Deutschland steht daher exemplarisch für eine grössere Fragestellung im internationalen Wealth Management und soll strukturelle Unterschiede aufzeigen, nicht nationale oder standortbezogene Geschäftsmodelle bewerten.
Schweizer Stabilität trifft auf Deutsche Regulierungstiefe
Der Ausgangspunkt für viele dieser Unterschiede liegt im politischen und wirtschaftlichen Umfeld. „In Deutschland wird die öffentliche Debatte rund um Vermögen, Umverteilung und Steuern zunehmend intensiver geführt. Vermögensverwalter agieren in einem Umfeld, das stark von europäischer Regulierung geprägt ist. Richtlinien wie MiFID II, AIFMD, PRIIPs oder die ESG-Regulatorik definieren weite Teile der Compliance-Anforderungen“, erklärt Christoph Wendel, Managing Director Sales bei der WealthTech-Plattform QPLIX.
Hinzu kommen nationale Auslegungen, die die Komplexität weiter erhöhen. Für viele Marktteilnehmer bedeutet das: hoher Dokumentationsaufwand, detaillierte Berichtspflichten und ein regulatorisches Umfeld, das sich kontinuierlich vertieft. „Der regulatorische Rahmen schafft zwar Vertrauen und Stabilität, verlangt den Häusern aber ein hohes Mass an organisatorischer und operativer Disziplin ab. Und das gerade in Phasen, in denen sich regulatorische Anforderungen schnell verändern“, so Christoph Wendel.
Die Schweiz präsentiert sich im Vergleich dazu wirtschaftspolitisch stabiler und international stärker positioniert als der deutsche Finanzstandort Frankfurt. „Das Land gilt seit Jahrzehnten als globaler Wealth-Hub und zieht Kunden aus aller Welt an. Das schafft ein Umfeld, das international verständlich ist, gleichzeitig aber Raum für unternehmerische Gestaltung lässt“, erläutert Sener Arslan, Regional Director Schweiz bei QPLIX. Regulatorisch verfolgt die Schweiz einen selektiven Ansatz: Internationale Standards werden dort übernommen, wo sie sinnvoll erscheinen, ohne die regulatorische Autonomie vollständig aufzugeben. Dadurch bleibt der Markt flexibler und stärker marktorientiert.
Regulierung: Vertrauensanker oder operative Belastung?
In Deutschland unterliegen Vermögensverwalter häufig der Aufsicht durch die BaFin. Abhängig vom Geschäftsmodell sind Erlaubnis-, Anzeige- und umfangreiche Berichtspflichten zu erfüllen. Vorgaben wie die MaRisk verlangen eine systematische Erfassung und Steuerung von Risiken. Für Wealth Manager und ihre Kunden ist das ein wichtiges Signal von Sicherheit und Professionalität, für die Vermögensverwalter selbst jedoch mit erheblichem Aufwand verbunden. In der Schweiz hat sich die regulatorische Landschaft in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Mit der Einführung des Financial Institutions Act (FinIA) und des Financial Services Act (FinSA) mussten sich viele Vermögensverwalter neu lizenzieren, organisatorisch aufstellen (z. B. Governance, Risikomanagement, Compliance) und Kundenverhaltensregeln wie Transparenzpflichten umsetzen. Dennoch bleibt das System insgesamt marktnäher als in Deutschland. Die Regulierung in der Schweiz ist in den vergangenen Jahren deutlich anspruchsvoller geworden. Gleichzeitig wird sie von vielen Marktteilnehmern als vergleichsweise klar strukturiert und pragmatisch in der Umsetzung wahrgenommen, auch wenn die Anforderungen je nach Geschäftsmodell und Ausgestaltung erheblich variieren können.
„Die Schweiz und Deutschland nähern sich regulatorisch zunehmend an, das macht es auch für deutsche Wealth Manager einfacher, die den Sprung in den Schweizer Markt wagen wollen“, sagt Christoph Wendel. Regional Director Sener Arslan ergänzt: „In der Schweiz wird Regulierung zunehmend als Qualitätssiegel verstanden, allerdings mit dem Anspruch, sie praktikabel zu halten. Das ist ein Balanceakt, der insbesondere für international tätige Wealth Manager relevant ist.“
Steuern: Unterschiedliche Logiken, unterschiedliche Steuerungsimpulse
Weitere strukturelle Unterschiede ergeben sich im steuerlichen Umfeld. In der Schweiz existiert eine Vermögenssteuer, deren Höhe je nach Kanton stark variiert. Freibeträge, Steuersätze und Progression unterscheiden sich teils erheblich, sodass der Wohnsitz einen massgeblichen Einfluss auf die Nettobelastung hat. Hinzu kommt die Verrechnungssteuer auf Kapitaleinkünfte wie Zinsen und Dividenden. „In der Schweiz ist das Zusammenspiel von Vermögensverwaltung und Steuerplanung deutlich enger“, erklärt Sener Arslan. „Portfoliostrukturen werden häufig vor dem Hintergrund der Vermögens- und Verrechnungssteuer gedacht, das prägt die Beratung und die Erwartungen der Kunden.“
Beim nördlichen Nachbar ist die Logik eine andere. Deutschland erhebt keine klassische Vermögenssteuer, was das Land für Kunden von Vermögensverwaltern grundsätzlich attraktiv macht. Gleichzeitig sind Erträge aus Kapitalanlagen – etwa Zinsen und Dividenden – steuerlich relevant und haben direkten Einfluss auf die Portfoliostrukturierung. „Steuerliche Aspekte fliessen damit in Deutschland vor allem indirekt in das Portfolio-Management ein, etwa über Ausschüttungsstrategien oder Asset-Allokationen“, sagt Christoph Wendel.
Schweiz und Deutschland: Ähnliche Ziele, aber unterschiedliche Wege
Vermögensverwalter, die in die Schweiz oder nach Deutschland expandieren wollen, sehen sich mit unterschiedlichen institutionellen Rahmenbedingungen konfrontiert. Während Deutschland von hoher regulatorischer Dichte und europäischer Einbindung geprägt ist, setzt die Schweiz auf politische Stabilität, internationale Ausstrahlung und einen selektiven Regulierungsansatz. Für Wealth Manager bedeutet das, dass Geschäftsmodelle, Prozesse und Beratungskonzepte nicht ohne Weiteres übertragbar sind. Wer in beiden Märkten tätig werden will, muss diese Unterschiede aktiv berücksichtigen.
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QPLIX ist führender Anbieter einer ganzheitlichen Softwarelösung für die digitale Vermögensverwaltung. Die SaaS-Plattform des 2012 von Kai Linde, Philipp Pötzl und Mathias Lindermeir gegründeten Softwareunternehmens wird weltweit von Vermögensverwaltern, Family Offices, Stiftungen, Fonds und institutionellen Investoren genutzt. Über die WealthTech-Software werden aktuell Vermögenswerte im Wert von über 300 Milliarden Euro verwaltet. QPLIX unterstützt alle liquiden und illiquiden Assetklassen und komplexe juristische Strukturen. Damit ermöglicht das Unternehmen Finanzexperten ein ganzheitliches und effizientes Portfoliomanagement. Am Hauptsitz in München und ausgewählten internationalen Standorten sorgt ein interdisziplinäres Team aus über 140 Softwareentwicklern und Finanzexperten für die kontinuierliche Weiterentwicklung der Plattform und die Zufriedenheit der Anwender.
[1] https://www.ey.com/en_gl/insights/financial-services/emeia/why-2025-will-be-a-pivotal-year-for-european-wealth-and-asset-managers?